Wie suchen Sie in Google nach Ihren Antworten? Haben Sie schon jemals eine Frage ausformuliert? So wie Sie sie Ihrem Gegenüber stellen würden?

Vermutlich nicht. Sofern Sie etwas in Google suchen verwenden Sie ein Stichwort – ein Keyword. Hinzu kommen vielleicht noch zwei oder drei Begriffe, falls Sie etwas spezialisieren müssen. Beispielsweise bei einer Fehlermeldung oder Sie suchen nach einem bestimmten Produkt oder etwas anderes, was Sie gerade interessiert.

Haben Sie im Gegensatz dazu schon einmal Ihren Kollegen, Ihrer Mutter oder Freunde eine Frage gestellt, die lediglich aus einem Wort bestand? „Hey du, Wetter?“ „Mama, Weichspüler?“ Bestimmt nicht, denn wir formulieren stets einen Satz.

Aber was hat das nun mit diesem Beitrag zu tun? Schon längst haben sich verschiedene Systeme zur Sprachsuche etabliert: wie Alexa, Siri und Cortana. Google hat bereits 2014 geschrieben, dass bereits 55 % der Teenager und 41 % der Erwachsenen die Sprachsuche mehr als einmal am Tag verwenden. Da diese Nutzer und auch die Suchanfragen zunehmen, muss der Content immer mehr darauf angepasst werden. Aber zurück zum Anfang.

Was ist Voice Search?

Hiermit beschreiben wir die Suche, die wir über eine Spracheingabe durchführen. Das heißt: Wir aktivieren Siri, Cortana, Alexa oder wen wir sonst eben benutzen und sie suchen für uns. Da wir aber sprechen, formulieren wir wie von selbst einen gesamten Satz. Das heißt, wir sagen nicht einfach nur „Wetter“; wir fragen explizit: „wie ist das Wetter heute?“. Wir fragen auch nicht einfach nur nach Weichspüler, sondern erklären, was wir wissen wollen. Sei es nun die Menge oder die Wirkung von Weichspüler. Mit einer gesprochenden Frage erkennen wir den Zusammenhang, anstatt nur durch Stichworte. Hierzu wurde auch das Update BERT entwickelt. Welche Auswirkungen hat das auf uns und unser Verhalten?

Wieso, Weshalb und Warum eigentlich?

Wir haben immer und überall jemanden zum Reden. Zumindest antwortet uns eine Stimme auf die Fragen die wir stellen. Das hat für uns einen sozialen Nebeneffekt. Noch dazu suchen wir uns nicht durch die verschiedenen Suchergebnisse, die uns Suchmaschinen liefern. Wir sprechen ganz einfach mit unserem Gerät und über die Sprachausgabe antwortet es.

Mehr als dreiviertel der Teenager und rund ein Drittel der Erwachsenen verwenden die Voice Search auch weil sie cool ist – so die Studie von Google. Mehr noch halten das für die Zukunft der Suche. Nachdem immer mehr diese Option nutzen, sollten wir uns das für die Zukunft auch anschauen. Für viele ist es auch die Möglichkeit der Effizienzsteigerung und weil sie Multitaskingfähig sind. Sie haben die Hände frei, können die Voice Search mit schmutzigen Händen bedienen und müssen nicht direkt neben ihrem Gerät sitzen.

Es zeigt sich, dass die Voice Search Zuhause abnimmt und immer mehr unterwegs eingesetzt wird. Über die Hälfte der Jugendlichen nutzt die Suche zusammen mit Freunden. Sie tätigen Anrufe, fragen nach der Richtung oder suchen Hilfe bei den Hausaufgaben. Erwachsene hingegen nutzen die Suche meist vor dem Fernseher, jedoch auch mit Freunden oder beim Kochen. Sie fragen nach der Richtung, diktieren Texte oder wollen jemanden anrufen.

Voice Search – Für uns die Zukunft

Natürlich wollte Google bei seiner Umfrage, die Antworten von 400 Jugendlichen und 1.000 Erwachsenen zusammenfasst, auch wissen, was die Voice Search in Zukunft können soll. Während die Jugendlichen das Senden von Pizza bevorzugen, soll die Sprachsuche den Erwachsenen beim Schlüsselfinden helfen. Beide Parteien sind sich relativ einig, dass die Fernbedienung zu finden auch eine wichtige Funktion darstellt.

Forbes hat hierzu ebenfalls eine Studie durchgeführt. Hiernach werden bis nächstes Jahr die Hälfte aller Suchanfragen über Voice Search stattfinden. Derzeit sind 20 % der Suchanfragen über mobile Endgeräte. Überraschenderweise wird ein Viertel der Suchanfragen über den Desktop PC ausgeführt, speziell hier Windows 10

Mit ganzen Sätzen nach Lösungen suchen

Yep zeigt uns drei Theorien, die möglicherweise für diese Vielzahl an Voice Search verantwortlich sind. Wir müssen hierbei klar zwischen der geschriebenen Suche und der gesprochenen Frage unterscheiden. Während wir in der normalen Suchmaschine durchschnittlich ein Wort oder vielleicht drei eingeben, formulieren wir die Fragen in der Voice Search komplett aus. Das habe ich zuvor bereits erwähnt.

Gehen wir nun davon aus, wir schreiben auch unsere gesprochene Frage, können wir direkt die Zeit stoppen, was schneller geht. Nach Bing können wir in einer Minute etwa 38 bis 40 Wörter schreiben. In dieser Zeit sprechen wir zwischen 110 und 150 Wörter. Yep hat uns hier vorgerechnet, dass wir 3,7 Mal schneller sprechen als schreiben.

Zudem ist die Voice Search praktischer. Die oben befragten haben es bereits richtig erkannt, sie sind damit multitaskingfähig. Einfach beim Joggen, Fahrrad fahren oder auch beim Autofahren nach Musik oder dem Weg fragen und schon kommt die Antwort. Ohne anhalten und tippen zu müssen.

Die letzte Theorie ist sogar noch ein großer Vorteil: die Antwort wird vorgelesen. Damit sind sogar alle Lesemuffel zufriedengestellt.

Was ändert sich für SEO?

Die Sätze vollständig auszuformulieren, machen uns tatsächlich gesprächiger. Denn wir reden fast normal und verwenden dadurch keine Computersprache. Ebenso wie wir mit dem Gerät sprechen, antwortet es uns auch. Dadurch ändert sich für uns die Suchmaschinenoptimierung.

Durch die klassische Suche wurden meist mehrere Quellen durchforstet. Weil die Voice Search allerdings nicht alles wiedergeben kann, muss direkt eine Antwort kommen. Dabei ist es egal ob richtig oder falsch. Es sollte aber vorzugsweise richtig sein.

Durch die klassische Suche wurden meist mehrere Quellen durchforstet. Weil die Voice Search allerdings nicht alles wiedergeben kann, muss direkt eine Antwort kommen. Dabei ist es egal ob richtig oder falsch. Es sollte aber vorzugsweise richtig sein.

Aus SEO wir AEO

Dieser Wandel hat allerdings noch deutlich mehr Einfluss auf die Optimierung. Hier nehmen wir nun den Begriff AEO in den Mund, ausgeschrieben auch „Answer Engine Optimization“. Das betrachtet die Suchmaschinenoptimierung unter dem Aspekt der Voice Search. Da sich die Suche verändert, muss sich auch der Content verändern. Nun aber keine Panik, die Texte müssen nicht gelöscht und verbrannt werden. Wir müssen sie lediglich etwas optimieren. Das passiert hauptsächlich bei der Keyword-Recherche.

Während bislang auf Suchvolumen, CPC und den Wettbewerb geachtet wurde, fällt unter AEO der Blick auf Long Tail Keywords und Fragen. Viele Tools zur Keyword-Recherche geben bereits Fragen mit aus, die wichtig sind und Nutzer stellen. Diese und die Long Tail Keywords sind Aspekte der Voice Search und gewinnen dadurch mehr an Wert. Denn Nutzer der Voice Search stellen hauptsächlich Fragen. Der Content sollte also um solche Punkte ergänzt und optimiert werden. Trotzdem dürfen die Hauptkeywords nicht vernachlässigt werden.

Um diese Keywords und Fragen ergänzen wir den Content. Dabei sollten wir darauf achten, dass unsere Antworten möglichst kurz ausfallen. Brian Dean von backlinko hat in seiner Studie herausgefunden, dass Google durchschnittlich 29 Wörter in seinen Antworten benutzt. Für ein direktes Frage-Antwort-Spiel mit kurzen, aber ausformulierten Sätzen bietet sich ein FAQ an. Hierbei können und werden die Fragen von Nutzern beantwortet und das genauso, wie sie für Voice Search sein sollten. FAQ-Seiten erscheinen 1,7 Mal öfter als bei normalen Suchen. Das macht einiges aus.

Bei den Ergänzungen sollten Sie allerdings eins nicht vergessen: lassen Sie den Text trotzdem in natürlicher Sprache stehen. Selbst wenn der Text anschließend weit länger ist als zuvor. Das Ergebnis einer Webseite bei der normalen Suche hat durchschnittlich 1.900 Wörter. Im Vergleich haben Voice-Search-Webseiten 2.300 Wörter. Hierunter wurden die Firmensuchen ausgeklammert. Also macht es nichts, wenn der Text auch mal länger wird als normal.

Die Würze der Kürze: Voice Search

  • Die Suche über die Spracheingabe wird immer häufiger genutzt
  • Mehr als die Hälfte der Teenager und etwas weniger als die Hälfte der Erwachsenen nutzen Voice Search mehrmals am Tag
  • Voice Search wird immer häufiger auch unterwegs genutzt
  • Im Vergleich tippen wir ein bis drei Worte in die Google Suche ein, während wir eine Frage bei Voice Search komplett aussprechen
  • Wir sprechen in einer Minute dabei mehr als wir schreiben würden
  • Zudem können wir uns neben der Voice Search mit anderen Dingen befassen und können sie auch aktivieren, während wir nicht direkt neben dem Gerät sind. Noch dazu wird uns die Antwort praktischerweise vorgelesen
  • Texte müssen auf Fragen und Long Tail Keywords optimiert werden
  • Hauptkeywords dürfen nicht vernachlässigt werden